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Mikulas Krejcik z Radimovic

Heraldiker MdH und Akademischer Kunstmaler
Seit 1990 auf dem Gebiet der Heraldik tätig

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Teil 1
Ein Blick in eine wenig bekannte heraldische Subkultur


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Die Heraldik stand ursprünglich unter staatlicher Aufsicht. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 stellten die deutschen Fürstenhöfe, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Ausstellung von Wappenbriefen ein. Obwohl einige Nachfolgemonarchien ihr eigenes staatliches Heroldsamt hatten, wurden diese Ämter mit dem Erlöschen von vielen europäischen Monarchien nach 1918 aufgehoben. Dadurch ist ein heraldische Vakuum entstanden. Durch das fehlen der staatlichen Aufsicht auf dem Gebiet der Heraldik ist dort seit dem ein rechtsfreier Raum für Betrüger entstanden. Diesen Wappenbetrügern und Wappenfabriken kommt dabei die weitverbreitete Unkenntnis der Öffentlichkeit zum Thema Heraldik zur Hilfe. Auf der anderen Seite wurden und werden in einigen Familien weiterhin leichtgläubig die Produkte von Wappenbetrügern und Wappenfabriken als "wertvolle Dokumente" (das "Familienwappen" vom Urgroßvater) den zukünftigen Generationen erhalten. Zunächst ist es notwendig, an dieser Stelle einige grundlegende Begriffe zu verstehen.

Wappenschwindel ist die bewusste Täuschung des Käufers eines Wappen über das Alter, den Umfang der führungsberechtigten Personen oder die Quellenangabe. Ein Wappen kann man jedoch gar nicht kaufen! Ein Wappen hat man oder man hat es nicht. Im letzteren Falle kann man eine seriöse Wappensuche durchführen lassen oder man kann delbst ein neues Familienwappen stiften. Die zu letzt genannten beiden Möglichkeiten sollte man jedoch bei einem seriösen Heraldiker durchführen lassen. (Die Kriterien für die Beurteilung eines seriösen Heraldiker finden Sie auf der Webseite von Herrn Dr. Bernhard Peter. (Dort weiter: Einführung in die Heraldik ... Wappenwesen und Wappenstiftung ... seriöse Heraldiker).

Wappenschwindel
Ein Wappenbrief des Wappenhändlers
Franz Josef Reich aus Stuttgart,
Quelle: Der Wappenschwindel - seine Werkstätten
und ihre Inhaber, herausgegeben vom
HEROLD, Verein für Heraldik, Genealogie
und verwandte Wissenschaften,
Neustadt a.d.A., 1997.

In engem Zusammenhang mit dem Wappenschwindel ist oft der Wappenhandel. Darunter versteht man den Handel von Wappen durch kommerzielle Unternehmen. Diese bieten dem ahnungslosen Publikum ein Wappen für den eigenen Familiennamen an. Es gibt aber kein Wappen für jeden Familiennamen! Zuerst muss jedes Wappen den Ausschließlichkeitsgrundsatz auf Einmaligkeit erfüllen, d.h. es muss einzigartig sein und darf keine Ähnlichkeiten mit einem schon vorhanden Wappen haben. Und zweitens bedeutet Namensgleichheit nicht automatisch die Führungsberechtigung eines Wappens einer Familie mit dem gleichem Namen! Ein Wappen ist immer das Symbol eines bestimmten Geschlechtes. Unter einem Geschlecht versteht man alle ehelichen, männlichen Nachkommen eines gemeinsamen Stammvaters. (Die Ehefrauen führen das Wappen ihres Ehemannes und die unverheirateten Töchter das Wappen ihres Vaters.) Deshalb ist die Heraldik eng mit der Genealogie verbunden. Man kann also kein Wappen suchen oder bei Namensgleichheit ein Wappen einer Familien mit gleichem Namen ungeprüft führen, wenn man noch nicht einmal seine eigenen Vorfahren kennt!

Wappenschwindel und Wappenhandel in der Vergangenheit

Was die kriminellen Machenschaften von heraldischen Betrügern in der Vergangenheit betrifft, so gibt es dazu ein dazu einschlägige Fachliteratur. An erster Stelle sei hier folgendes Werk erwähnt: Der Wappenschwindel - seine Werkstätten und ihre Inhaber. Ein Blick in die heraldische Subkultur, herausgegeben vom HEROLD, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften, bearbeitet von Jürgen Arndt unter Mitarbeit zahlreicher Staats- und Stadtarchive. Dazu gibt es noch weitere Werke anderer Autoren. Alle diese Bücher sind antiquarisch und können z.B. bei www.amazon.de bestellt werden. Da zu diesem Thema also interessante Fachliteratur für interessierte Personen vorliegt, soll an dieser Stelle nicht näher auf die traurigen Beispiele aus der Vergangenheit eingegangen werden. Die meisten wird die Situation in der Gegenwart interessieren - und darüber gibt es leider keine Fachliteratur. Nur wenige Personen, zumeist sind es Berufsheraldiker, haben heute den Mut offen über die Zustände in dieser heraldischen, teilweise kriminellen Subkultur in der Gegenwart zu berichten.

Wappenschwindel und Wappenhandel in der Gegenwart

Vorweg muss an dieser Stelle klar herausgestellt werden, dass die Bezeichnung Heraldiker keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung ist. Mit dem Wegfall der staatlichen Kontrolle der Heraldik gibt es deshalb auch keine amtliche Stelle, die Heraldiker prüft! Wenn Heraldiker mit der Bezeichnung "geprüfter Heraldiker" werben, dann haben sie diese Bezeichnung von einer mehr oder weniger seriösen privaten Institution erhalten. Ein seriöser Verein wird vor dem Erteilen einer solchen Bezeichnung ein heraldisches Seminar und eine Prüfung abhalten, bevor er eine solche Bezeichnung verleiht. Es gibt aber auch Institutionen, die den "geprüften Heraldiker" ohne irgendwelche große Vorbedingungen erteilen. Im besten Falle weist eine solche Bezeichnung deshalb lediglich daraufhin, dass der Betreffende wenigsten die heraldischen Grundsätze beherrscht - mehr auch nicht! Dieser Umstand sei hier nur am Rande erwähnt, aber er hat natürlich nicht unbedingt etwas mit dem Thema Wappenschwindel und Wappenhandel zu tun.

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Letzte Aktualisierung am 15.09.2016

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